Papier als „Zauberstoff“

Entsprechend vielfältig sind auch die künstlerischen Techniken. Alle nur vorstellbaren Be- und Verarbeitungsmöglichkeiten von Papier, Papiermasse bzw. Karton sind vertreten: zerreißen, zerschneiden, zerknüllen, zerfetzen, schlitzen, schaben, abschleifen, zerkratzen, durchlöchern, verbrennen, zermahlen sowie schöpfen, kleben, flechten, falten, schichten, stanzen, prägen, stapeln, rollen usw. Papier ist eben geduldig.
Pavlos, Marine 2, 1988ent here
Die formale Erscheinung der einzelnen Arbeiten  kann durch einen minimalen Eingriff – etwa durch einen unregelmäßigen Rissverlauf auf einem Blatt von Maria Reuter definiert werden. Sie kann sich aber auch als raumfüllendes Environment darstellen, bei dem aus bedruckten  Papierresten neue Wörter geformt werden – so in einer meditativ gestimmten Arbeit über die Möglichkeiten und das Scheitern verbaler Kommunikation von der Schweizer Künstlerin Liliane Csuka.

Axel Heibel, Ohne Titel, 1998
Noch zwei andere Extreme mögen die Spannweite der Sammlung zumindest andeutungsweise charakterisieren: einerseits die rational kalkulierte Konstruktion einer weißen kubischen Kartonplastik von Erwin Heerich, andererseits Emotionalität und handlungsbetonende Destruktion in einer stark farbigen Plakatdécollage von Jacques de la Villeglé.
Helmut Dirnaicher, Apulische Erde, 1985

Im Vergleich zu anderen traditionellen künstlerischen Arbeitsmaterialien besitzt Papier universelle Eigenschaften. Seine schier unerschöpflichen – auch akustischen und haptischen –
Qualitäten faszinieren Künstler verstärkt seit den 1960er Jahren. Ihnen geht es dabei vielfach um systematische Untersuchungen materialimmanenter Phänomene. 

Material als Material oder Material pur – hierum geht es hauptsächlich in der Sammlung Sie stellt Aspekte einer häufig vom Elementaren, vom Einfachen ausgehenden Kunst heraus. Eine stille, zurückhaltende und dennoch entschiedene Kunst ist das.  Sie vermag durch die Ökonomie ihrer formalen und materiellen Mittel zu überzeugen. Der scheinbaren Kärglichkeit, ja „Armut“ des Materials gewinnt sie einen ästhetischen Reichtum ab, der immer wieder überrascht und den Besuch der Sammlung erlebnisreich werden lässt.