
Landschaften des Glaubens
Veröffentlichung über die Schirmer-Kopien von Maria Zanders
"Es handelt sich um ein Zeugnis rheinischer Landschaftsmalerei von überörtlicher Bedeutung", sagt Museumsdirektor Wolfgang Vomm über die 26 alttestamentarischen Landschaften, die Maria Zanders zwischen 1883 und 1886 geschaffen hat. Sie kopierte in mühevoller Arbeit einen Gemäldezyklus von Johann Wilhelm Schirmer, der nach Expertenmeinung die rheinische Kunst des 19. Jahrhunderts wesentlich geprägt hat. Nach dem Tod von Maria Zanders 1904 fanden ihre Schirmer-Kopien einen Platz im neu errichteten Gladbacher Rathaus – seit 1906 sind sie in die Wandvertäfelung des großen Ratssaals integriert. Vomm wünscht ihnen mehr Beachtung. Ein neues Buch über den Gemäldezyklus im Rathaus soll dazu beitragen.
Die Villa Zanders hat den Band veröffentlicht, finanzielle Beiträge des Verschönerungsvereins und des Vereins Galerie + Schloss ermöglichten das Buchprojekt. Autor John Nicholls, Mitarbeiter der Villa Zanders, hat Wissenswertes über Schirmers Gemälde, die Person von Maria Zanders, ihre Kopien und deren Weg ins Rathaus zusammengetragen. Die 26 Gemälde sind abgebildet und erläutert. "Aus zahlreichen Briefen kann man entnehmen, dass sie mit viel Herzblut daran gearbeitet hat", sagt Nicholls über das ungewöhnliche Projekt von Maria Zanders.
Diese war keine ausgebildete Malerin, nahm aber eigens Unterricht bei dem Schirmer-Schüler Carl Ludwig Fahrbach. Auf diese Weise seien "qualitätvolle Kopien" entstanden, stellt Nicholls fest. Die Beweggründe für die Arbeit von Maria Zanders gingen laut Nicholls wohl über die Bewunderung für Schirmers Gemälde hinaus, er vermutet religiöse Motive. Auch Vomm sieht bei Maria Zanders "eine Religiosität, die tief wurzelte", als weiteren Grund für ihre Landschaftsmalerei führt er ihre "Sensibilität für die Natur" an.
Eine "Besonderheit" ist laut Nicholls, dass mit den Schirmer-Kopien religiöse Gemälde in einen deutschen Rathaus-Neubau der Kaiserzeit gelangt sind. Franz Heinrich Krey vom Verschönerungsverein bedauert, "dass wenige Gladbacher wissen, was da für schöne Motive sind". Vomm hofft, dass die Stadt es Interessierten ermöglicht, die Gemälde im Ratssaal zu festen Öffnungszeiten zu besuchen.
Artikel von Thomas Rausch im Kölner Stadt-Anzeiger vom 19. 08. 2010

